Ich habe mir die Website angesehen, um nicht ins Allgemeine zu reden.
Die zentrale Diagnose
Ihr habt ein Asset, das die allermeisten Zwei-Personen-Agenturen nicht haben: Bosch/BSH, BMW MINI, Linde, Tassimo, Payback/LPS, 27pilots (Deloitte). Das ist eine Referenzbasis auf Konzern-Niveau.
Und ihr kommuniziert sie als Logoleiste — also als Dekoration, nicht als Beweis. Gleichzeitig positioniert sich die Seite über „Werbeagentur/Kreativagentur München“, „360° Expertise“ und sechs gleichrangige Leistungsfelder. Das ist exakt die Positionierung, die auch 300 andere Münchner Agenturen fahren. Ihr konkurriert damit auf einem Feld, auf dem eure eigentliche Stärke unsichtbar wird.
Das ist meiner Einschätzung nach das Kernproblem — nicht zu wenig Reichweite, sondern zu wenig Unterscheidbarkeit bei zu breitem Angebot.
Was ich in dieser Reihenfolge angehen würde
1. Reaktivierung vor Neuakquise. Die höchste Trefferquote liegt fast immer bei Menschen, die schon mit euch gearbeitet haben. Marketingleiter wechseln alle 3–4 Jahre die Firma und nehmen Dienstleister mit — wenn sie sich erinnern. Konkret: Liste aller Ansprechpartner der letzten 10 Jahre, prüfen wo sie heute sitzen, und ein persönlicher Kontakt ohne Verkaufsabsicht. Das kostet zwei Tage Arbeit und schlägt in der Regel jedes Werbebudget.
2. Eine Spitze statt sechs Kompetenzen. Ihr müsst nicht weniger können — aber ihr braucht eine Sache, für die man euch anruft. Aus dem, was auf der Seite steht, sehe ich zwei plausible Kandidaten:
- Marken-Relaunch für den technischen Mittelstand (das könnt ihr nachweislich, es ist teuer, und es ist schwer zu kopieren)
- Hochwertige Bewegtbild-/Bildwelten mit KI-Anteil (der Markt ist gerade unentschieden, ihr habt eine ungewöhnlich reife Haltung dazu)
Die zweite Option ist der schnellere Türöffner, die erste die profitablere. Beides gleichzeitig als Hauptbotschaft funktioniert nicht.
3. Logos in Beweise verwandeln. Drei bis vier echte Case Studies statt Projektbeschreibungen: Ausgangslage → Entscheidung → was sich messbar geändert hat. Das ist der teuerste Teil (weil Kundenfreigaben nötig sind), aber es ist das, was einen Einkäufer bei einem 40.000-€-Rebranding überzeugt. „Relaunch der Marke und neues Corporate Design“ überzeugt niemanden.
4. Einen risikoarmen Einstieg definieren. Euer „Aus grau wird Wow – in 3 Tagen“-Konzept ist genau das, wird aber nicht als Angebot geführt. Mittelständler kaufen selten sofort ein Rebranding — sie kaufen ein kleines, klar umrissenes Projekt und schauen, ob die Zusammenarbeit trägt. Ein definierter Einstieg mit Festpreis senkt die Entscheidungshürde massiv.
5. SEO umbauen: weg vom Kopfbegriff. „Werbeagentur München“ ist teuer, hart umkämpft und bringt überwiegend Anfragen, die ihr nicht wollt. Ertragreicher sind Suchanfragen mit Kaufabsicht und wenig Wettbewerb: „Corporate Design Relaunch Maschinenbau“, „Imagefilm B2B München Kosten“, „Marken-Relaunch Ablauf“. Euer FAQ-Block ist inhaltlich schon der richtige Ansatz — er gehört auf eigene Seiten ausgebaut, nicht auf die Startseite gequetscht.
6. LinkedIn als Hauptkanal, nicht als Fußnote. Eure Zielgruppe (Marketing-/Geschäftsleitung im Mittelstand) ist dort erreichbar. Aber: über die Personenprofile, nicht über eine Unternehmensseite — organische Reichweite von Firmenseiten ist praktisch tot. Zwei Beiträge pro Woche, in denen ihr zeigt und begründet, wie ihr arbeitet. Das ist ein 6–12-Monats-Aufbau, kein Kanal für den nächsten Quartalsbedarf.
Was ich nicht empfehlen würde
- Google Ads auf Agenturbegriffe (hohe Klickpreise, schlechte Anfragequalität)
- Instagram als Akquisekanal für B2B-Mittelstand
- Noch mehr Leistungen ins Portfolio
- Kaltakquise per Mail — bei eurem Preisniveau ist die Trefferquote zu niedrig für den Aufwand
Die Frage, die alles andere bestimmt
Woher kommen die Anfragen, die ihr heute bekommt — Empfehlung, Bestandskunden, Website, Netzwerk? Wenn 80 % über Empfehlung kommen (was ich vermute), ist der Hebel ein anderer, als wenn die Website tatsächlich schon Anfragen liefert. Danach würde ich die Reihenfolge oben schärfen.